Anwendung der Modelle




Die Anwendung der Basistriade der Komponenten von Farben im Handwerk.

Es gibt mannigfaltige Zusammensetzungen von Farben. Das NTD versucht, die Komplexität triadisch zu reduzieren. Es entsteht die Basistriade:Pigmente, Bindemittel, Zuschläge.

Sie kann dem Handwerker den Umgang mit Farben erleichtern, Qualitätsprüfungen vornehmen und vor allem klären, auf welche Untergründen und anderen Randbedingungen eine bestimmte Art am besten einzusetzen ist. Sie dient also als Modell und Programm in der individuellen Praxis.
Es ist wichtig, sich immer wieder klar zu machen, daß das triadische Denken nicht nur Anleitungen zum Denken sondern ebenso zur Gestaltung der verschiedensten Formen des Handelns gibt!

Die Basistriade über die Zusammensetzung der Farbe ist sehr allgemein. Wenn man spezifischer werden will und eine bestimmte Farbe durch ihre Bestandteile erklären will, muß man die Faktoren der Basistriade genauer bestimmen. Das tut der Triadiker, indem er Merkmale der Bestandteile sammelt und als Cluster zusammenstellt. (Bei der Entwicklug von Triaden ist der Weg oftmals umgekehrt - je nach den vorhandenen Modellen.) Es kann sich dann die folgende Triade mit Clustern bilden:

Komponenten der Farben
Wenn man Typen von Farben bestimmen will, dann wird man aus den Clustern entsprechende Merkmale als Faktoren setzen und dann danach suchen, welche Kompositionen mit Merkmalen aus anderen Clusterns sinnvoll sind. (Möglich ist es auch, die Faktoren zu einer Faktorentrias auszubauen.)
Immer wird aus den vielen Merkmalen der Cluster der allgemeinen Farbtriade eine begrenzte Anzahl ausgewählt. Je mehr wir die einzelnen Arten von Farbe: Leimfarbe, Ölfarbe, Silikatfarbe, Dispersionsfarbe, Kunstharzfarben usf. weiter spezifizieren, desto stärker reduzieren sich auch die möglichen Pigmente, Zuschlagstoff und Bindemittel. Diese Spezifizierung kann beliebig weit getrieben werden. Reden wir nicht mehr allgemein von Kalkfarbe sondern wollen nur Luftkalk als Bindemittel verwenden, muß auf die Zufuhr von Sauerstoff geachtet werden.
Insgesamt kann man sagen, daß für die Klassifikation der Farben traditionell die Bindemittel am häufigsten herangezogen werden. Deshalb spricht man von Leimfarbe, Ölfarbe, Kalkfarbe, Acryl- bzw. Dispersionsfarbe und so fort.

Zum Beispiel können wir Kalkfarben von Silikatfarben durch das Bindemittel unterscheiden, hydraulischer oder/und carbonatisierender Kalk versus Wasserglas (Kalium- oder Lithiumsilikat). Diese Eingrenzung hat auch für die anderen Faktoren folgen. Nicht mehr alle Arten von Pigmenten und von Zuschlagstoffen kommen dann infrage. Pflanzenfarben wie zum Beispiel Indigo werden nicht in den Sinterungsprozess einbezogen, der Kalkfarben bindet. Ebenso eignet sich Gips nicht als Zuschlagstoff bei Silikatfarben, während Quarzsand die Verkieselung verbessert. Will man Ölfarbe nutzen, so kommt Wasser als Zuschlagstoff nicht infrage, während es bei Kalkfarben unabdingbar ist.

Im Bauhandwerk ist die Unterscheidung zwischen Farben und feinen Putzen, wie von den Fachleuten immer wieder betont wird, umstritten und schwierig. Sieht man nur auf die Bestandteile also auf die allgemeine tektonische Triade, läßt sich beispielsweise Lehmfeinputz nicht von Lehmfarbe unterscheiden, und auch die Kalkfarben sind bestenfalls quantitativ von Kalkfeinputzen zu unterscheiden. Hier hilft es, wenn man zusätzlich andere Triaden zur Klärung heranzieht. D.h., man folgt der Regel: Wenn eine Triade nicht zum gewünschten Erfolg führt bilde zusätzlich eine weitere! Zum Beispiel haben Putze und Farben auch eine dynamische Dimension. Sie müssen hergestellt und angewendet werden und entsprechend haben sich historisch auch Hersteller und Werkzeuge herausgebildet und zum Teil professionalisiert. Maurer beispielsweise putzen mit Kellen, Maler verwenden Pinsel, Quaste...

Ein triadisches Verständnis der Farben macht aus Anstreichern schnell fortgeschrittene Anwender. Sie sind in der Lage einzuschätzen, welche Voraussetzungen für die Anwendungen gegeben sein müssen und wie sie ggfs. eigenständig zu modifizieren sind. Die Farben werden von opaken tools zu facettenreichen Phänomene, deren Komplexität selbständig - mal so mal anders - reduziert werden kann. Aber das kostet natürlich Zeit und Qualifikation - und liegt nicht im Interesse einer Fertigfarben-Industrie.

anwendung_ntd, id1257, letzte Änderung: 2022-01-22 18:14:09

© 2024 Prof. Dr. phil. habil. Michael Giesecke